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`Read Only Memory 2.0´, Installation, Judith Fegerl© 2005
`Read Only Memory 2.0´, Installation, Judith Fegerl© 2005

`Read Only Memory 2.0´, Installation, Judith Fegerl© 2005

`Read Only Memory 2.0´, Installation, Judith Fegerl© 2005


`Schwimmer im Tränensee´, Video, Loop, Judith Fegerl © 2005
`Schwimmer im Tränensee´, Video, Loop, Judith Fegerl © 2005

`Track´, Installation, Judith Fegerl © 2005  `Track´, Installation, Judith Fegerl © 2005
`Track´, Installation, Judith Fegerl © 2005

`Track´, Installation, Judith Fegerl © 2005
`Track´, Installation, Judith Fegerl © 2005

 

 




Judith Fegerl <Tracks and Traces>

Read Only Memory 2.0
Installation, 2005
2 bewegte Lasersysteme 630-680nm (rot), Stativ, 2 Einweg-Kontaktlinsen
Konzentriertes, monochromatisches Licht eines Laserstrahls leuchtet durch je einen Tag lang getragene Einweg-Kontakt-linsen.
Das Laserlicht bricht sich in der verformten und kontamini-erten Linse und wirft ein Bild, das von Gebrauchsspuren und organischen Ablagerungen beinflusst wird, an eine Projek-tionswand.
Es ergeben sich unregelmäßige Formen und Muster, teilweise aufgelöst in diffuse Wolken, in weitem Winkel zerstreut und doch bestechen sie durch ihre Schärfe und Präzision.
Die im Gedächtnis der Kontaktlinse während des Tragens aufgenommenen und gespeicherten Veränderungen werden durch den Laserstrahl ausgelesen und visualisiert.

Schwimmer im Tränensee
Video, Loop, 2005
Ein Versuch darzustellen, was man sieht, wenn man versucht Nichts zu sehen.
Blauer Himmel.
Mit der Zeit verschiebt sich der Focus auf den Staub und die winzigen Fremdkörper, die auf der Augenoberfläche im Trän-enfilm mitschwimmen und den Augenbewegungen folgen.
Interessant an dieser Arbeit war die Herausforderung etwas darzustellen - Artefakte, die zwar jeder sieht - man jedoch nicht mit einer Kamera aufzeichnen kann.

Track
Installation, 2005
Sprintbahn, running track
Weiße Markierungen, die einem Raum
sofort Bedeutung und Widmung geben. Jeder weiss instinktiv, wozu diese Markierungen dienen und wie man sich verhält. Die Markierung lässt sich in ihrem Verlauf nicht abhalten von Hindernissen oder wechselndem Untergrund.
Kompromisslos unterwandert sie Gegenstände, Möbel, Wände und Säulen, die dann allerdings zu mehr oder weniger be-wältigbaren Hindernissen werden.
Track schafft einen Raum, dem gegenüber man gezwungen wird sich zu positionieren. “Spiele ich mit? oder “Spiele ich nicht mit?”, “Verwende ich die Linien bestimmungsgemäss oder erfinde ich eine neue Form der Interpretation?”
Oben drüber, unten druch.
Die Markierung, also die Sprintbahn selbst, scheint zum Ak-teur zu werden, indem sie selbst Hinderisse überwindet und so einen dreidimensionalen Weg im Raum beschreibt.

bio Judith Daniela Fegerl
* 1977 Wien
Kontakt: atelier@judithfegerl.net | >> www.judithfegerl.net

Ausbildung Mag. art.
2004 (Sommer): Diplom Universität für Angewandte Kunst Wien /
Meisterklasse von Peter Weibel / Visuelle Mediengestaltung
2000: Beginn des Studiums an der Universität für Angewandte Kunst Wien
Meisterklasse von Peter Weibel / Visuelle Mediengestaltung
1999: Beginn des Studiums an der Akademie der bildenden Künste
Meisterklasse Peter Kogler (Studium noch nicht abgeschlossen)
1995-1998: 6 Semester an der Wirtschaftsuniversität Wien mit den Schwerpunkten EDV/Informatik und Werbung

Ausstellungen/Performances

1999 landing 01 /Ferdinandeum Innsbruck
2000 Detonators/Karlsplatz U-Bahn Station
2000 100K/Schikaneder Display in Progress
2001 callaps Performance/Schweiz-Wien
2001 Fotoserie girl+car
2001 rebelle Performance Trnva/Slowakei (Koop. Franz Pomassl)
2001 strapped Performance/Zwischenstromfestival Harrachstal
2002 Medienquartier im Museumsquartier (Karel Dudesek/Mag. Liz Haas/Judith Fegerl)
2002 Friendly Fire - Softball Museumsquartier
2002 Epiphany/U2 Wien
2003 Injection Performance /AKH Wien
2004 Read Only Memory 1.1 / Diplomausstellung / Angewandte
2005 Read Only Memory 1.2 / Rundgang / Semper Depot

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Chiara Minchio © 2005
Chiara Minchio © 2005


Chiara Minchio © 2005
Chiara Minchio © 2005



Chiara Minchio © 2005
Chiara Minchio © 2005

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Chiara Minchio
< moore >

MOORE
Wenn ich Chiara Minchio in ihrem Atelier besuche nehme ich immer etwas mit nach draußen, im Kopf natürlich. In erster Linie Intensität, immer Inspiration.

Sie selbst lässt sich inspirieren von so unterschiedlichen KünstlerInnen wie Lilly van der Stokker, René Daniels, André Butzer oder Louise Bourgeois. Moore, der Titel der Arbeit, respektive der Ausstellung kann als tribute to Henry Moore gelesen werden.

Ich habe etliche Assoziationen gehabt zu dieser Arbeit, von The Who’s Face Dance bis Roald Dahl’s Neck, von Casablanca bis Beckett von Reena Spaulings bis Punk und Melville und Science-Fiction. Zu einigen von ihnen im Folgenden nun mehr.

Make which ever head you like. (Sarah Campbell nach Albrecht Dürer)

Bei Moore fällt, im Gegensatz zu anderen Arbeiten Chiara Minchios, zuerst die Reduktion der Farben auf verschiedenste Brauntöne auf.
Braun ist eine eigenartige Farbe, eine Mischfarbe. Zu viel Sonne. Der Ort, wo Farbe sich auflöst, ausgeblichene Farbe und gemischte Farbe aus fast allen Farben. Eine Farbe für die Zeit, was durch den Lichtverlauf hier noch mal unterstrichen zu werden scheint. Und oft die Farbe von Altem, aber auch nicht selten die Farbe von Science-Fiction Filmen, von Kommendem. Braun verbindet, wie es scheint die Vergangenheit mit der Zukunft.

Letzte Woche sah ich Matrix, während ich im Hinterkopf schon mit diesem Text beschäftigt war und war erstaunt wie sehr der Film und seine Farben mich an diese Arbeit erinnerte. Es geht auch bei Moore um etwas Dahinterliegendes.

In Reena Spaulings heißt es:
‘Zizek brings his spitty lips close to Maris and begins to suggest radical changes in the structure of her company, Vive la Corpse. VLC should not pass up the opportunity to provide proof that it is our fantasies that support our sense of reality, that this is in turn a defense against the Real. The Real is the hidden/traumatic underside of our existence or sense of reality, whose disturbing effects are felt in strange and unexpected places. …’(Bernadette Corporation, Reena Spaulings, Semiotext(e), 2004)

Wir haben es bei Chiara Minchios Bildern und Zeichnungen nicht mit Portraits von bestimmten Personen zu tun, sondern vielmehr mit Zuständen und vor allem in den Zeichnungen oft mit sehr seltsamen Wesen. Hier sind es eher Portraits vom Geist, dem Bewusstsein, das zu seiner Beschreibung keinen Körper braucht, manchmal nicht einmal eine Nase. Es sind Köpfe, die sich aus feinsten, abstrakten Malereilandschaften herauskristallisieren und uns erzählen von mentalen, von emotionalen Zuständen.

‘Dein Körper kann ohne Geist nicht leben.’ sagt Morpheus in Matrix, und tatsächlich möchte man glauben den Geist so trainieren zu können, dass er den Körper und seine Verletzlichkeit sowie die Schwerkraft, einfach überlisten kann.

.Jutta Koether beschrieb das Betrachten von Portraits einmal als ‚eine Art Verbrüderung mit Gespenstern, die einen stärkt.’ In Chiara Minchios Fall könnte man vielleicht von einer Verbrüderung mit Geistern sprechen.

Eine Frau im Dunkeln, gelangweilt und müde, mit starr geöffneten Augen, wütend?
Im Zwielicht dann, das Zentrum der Arbeit: der Harlekin, der mich auch schon bevor ich an Science-Fiction-Filme dachte an einen Roboter erinnerte r2d2-esque, gewappnet, mit seiner Karo-Kriegsbemalung, auf Nadeln sitzend, wartend, trotzig, entschlossen mit verkniffenen Augen und ohne Nase.
Im Licht ein Mädchen mit wehendem Haar, selbstvergessen, wissend lächelnd ganz für sich, über sich.

Sie sind zu dritt, eine kleine Gruppe.
Alle bleiben sie bei sich und bilden dennoch eine seltsame Einheit stolz und durchaus entschlossen.
Seltsame, groteske, anmutige Wesen, die durch Eigenständigkeit der Welt trotzen und auch ohne Hände und Füsse gewillt sind ihr entgegenzutreten.
Geister mit viel Sehnsucht und Komik und Traurigkeit.
Sie lassen uns im Dunkeln mit ihren Absichten, bleiben also als Arbeit offen.

Deleuze schreibt über Melville:
‚...eher wie eine Mauer loser Steine, die nicht zementiert sind, in der jedes Element für sich allein steht und gleichwohl in Beziehung zu den anderen: Isolate und flottierende Beziehungen, Inseln und Zwischen-Inseln, bewegliche Punkte und gewundene Linien, denn die Wahrheit hat immer ‚zerrissene Ränder’. Nicht ein Hirn, sondern eine Wirbelkette, ein Rückenmark; keine uniforme Bekleidung, sondern ein Harlekins-Mantel, sogar weiß auf weiß, ein Patchwork mit endloser Fortsetzung, mit vielfachen Anschlüssen, wie die Weste Redburns,....’ (Deleuze, Bartleby oder die Formel, Merve-Verlag, 1994)

Im Leben wie in der Kunst geht es immer auch um den Beweis, Nachweis der eigenen Existenz, einer Selbstversicherung durch das Beschreiben und Unterstreichen und Veröffentlichen der eigenen Wahrnehmung, des eigenen Denkens selbst wenn es ambivalent, oder kompliziert und nicht immer logisch zu funktionieren scheint und es keine definitiven Erklärungen zum Ziel hat. Chiara Minchio weiß um die Art, wie wir die Welt erkennen, erfassen lernen: durch Sehnsucht und Verführung.

Ich musste bei Matrix und Moore auch an Beckett denken, im Besonderen an den Anfang von Becketts Neither, etwas über Neither:

‚Like the text, the music is filled with ghosts and echoes – both as a product of memory, as the illusion of absence made real once more – as well as the confirmation of the literalness of its doors and footfalls. Neither accepts the reality of each, and offers the opinion of choice (even if the effect remains illusory). Transformation, then, is not a recovery, but a revealing. The eternal present exists in the space between the familiar and the unfamiliar. Which is real? Neither.’(Art Lang 1997)

Auf Instinkte und Gefühle zu vertrauen und sie in Bilder oder Worte zu fassen auch versus eine gängige Ironie ist natürlich immer noch die coolere Vorgehensweise nicht nur in der Kunst.
Chiara Minchio hat all meine Bewunderung für ihr Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und in die Malerei.

Den Tücken eines Off-Space begegnet Chiara Minchio durch eine konzentrierte Analyse des Orts und eine subtile Adaption ihrer Fantasie seiner eigenen Geschichte durch eine cremefarbene Tapete als Hintergrund. Und natürlich geht es auch um die Liebe zur Malerei, oil on canvas trotz Terpentin.

Und noch einmal zurück zum Braun: Duchamp meinte: The great artists of tomorrow will go underground und dass wir die Wahl hätten, dass wir uns aussuchen könnten ob wir Pepsi-Cola sein wollen oder Meunier-Schokolade. Ich denke Chiara Minchio hat sich, und das ganz bewusst, für Meunier-Schokolade entschieden.

Lisa Holzer

bio Chiara Minchio
* 1972 in Treviso, Italien. Lebt und arbeitet in Wien
Kontakt: chiarami@yahoo.com

Ausbildung

1990/91 Accademia di belle Arti, Venedig (Malerei)
1991/92 Akademie der bildenden Künste, Wien (Malerei MS Prachensky)
1995 Stipendium an der HdK, Hamburg, (Fotografie MS B. Blume)
1996 Diplom an der Akademie der bildenden Künste, Wien

Einzelausstellungen

2005 Moore, Auto, Wien
Monsterhood-2, Beton Salon, Wien
2004 Monsterhood, Bernardgasse, Wien
2002 Emerging Artists, Sammlung Essl, Klosterneuburg/Wien
2000 Malerei und Fotografie, McKinsey, Wien

Gruppenausstellungen
2005 The red Thread, Educational Alliance, New York
The red Thread, Howard House Contemporary, Seattle
2004 21er, 20er-Haus, Wien
2003 High Hills, Kunst im öffentlichen Raum, Krems
Von Anfang an, Salzburger Kunstverein, Salzburg
2002 Beached/Not Stranded, Beaker Gallery, Tampa/Florida
Golfo Prize - European Biennale for the Visual Arts, La Spezia/Italien (Kat.)
2001 Abbild: Recent Portraiture and Depiction, Steirischer Herbst, Graz (Kat.)
Sieben, Volpinum, Wien
2000 Kampfzone, ehem. Wolfhosenfabrik, Wien
New Austrian Spotlight, Marmara University, Istanbul (Kat.)

Preise & Stipendien
2004 Rom Stipendium für Kunstlerische Fotografie, BKA
2002 1. Preis Förderungstipendium, Süssmann-Stiftung, Wien
2000 New York Stipendium für Künstlerische Fotografie, BKA
1996 Würdigungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, Wien
1992 Lenzing AG Preis, Wien

Publikationen
2005 Chiara Minchio: Monsterhood im Verlag Schlebrügge.editor, Wien (96 Seiten)
Galerie Malmoe, Malmoe
2004 Öffentliche Kunst, Kunst im öffentlichen Raum, Niederösterreich Band 7 (Seite 85-95)
2003 Von Anfang an? - Jahresausstellung 2002/03, Magazin 7, Salzburger Kunstverein (Seite 70-92)
2002 Varianti impreviste, forme d’arte in atto e a venire Maschietto Editore (Seite 45-47)
2001 Abbild: Recent Portraiture and Depiction im Verlag Springer Wien New York (Seite 122-125)
1999 Puppe, Monster, Tod (v. Christine Lammer),
Hrsg. v. Johanna Riegler u. a. im Verlag Turia & Kant, Wien (Seite 75-79)


2005-07-18
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